Mysterienspiel
Rott - Festliche Orgelmusik vom Tonträger - die Orgel ist immer noch nicht bespielbar - begleitet bei der Rotter Aufführung den Priester Theophilus (Helmut Herreiner) durch den Kirchenraum zum Altar, wo er sich ausführlich und bitter beklagt über die vielen Kränkungen seines für einen Priester kaum angemessenen ehrgeizigen Strebens nach Ruhm und Vergnügen. Irgendwie kommt er auf die Idee, es nun mit einem Pakt mit dem Teufel zu versuchen.
Der tritt in der von der Maske ausgezeichnet gestalteten Figur des Santanas (Helge Wilker) auf, begleitet von erschreckendem Lärm und für Kirchgänger gewöhnungsbedürftig böse im geweihten Altarraum. Seine ausgezeichnet ausgespielten Überredungskünste fruchten, Theophilus verschreibt seine Seele in einem entsprechenden Brief dem Teufel und sagt sich von Jesus und seiner Mutter Maria los.
Das teuflische Jubelgeschrei des Santanas riss die Zuschauer aus ihrer Betrachtung, und Theophilus bekam edles Gewand, viel Gold und genügend Schmuck, um nun seine Wünsche zu erfüllen. Warum er, nach einem weiteren Orgelstück, zusammen mit dem Priester (Gerhard Berger) wie ein Häuflein Elend wieder in die Szene kommt, lässt sich nicht logisch erschließen. Andacht und Predigt - von der Kanzel herab - des in seinem Glauben gefestigten Priesters, in von allen Anwesenden gesprochene Sonderformen des Ave Maria und Vaterunser mündend, hinterlassen einen geknickten Theophilus, der nun seine Rettung in der Anrufung der Mutter Gottes sucht.
Dargestellt von der zierlichen Andrea Busch tritt sie hier sichtbar auf und bittet auf das dringende Flehen des eigentlich Verdammten hin ihren Sohn um die Rettung des armen Sünders. Guido Fendt leiht seine Stimme dem lange unwilligen Jesus, Luzifers Stimme (Wolfgang Evers) leitet das gütliche Ende ein: Der wütende Santanas muss den Brief zurückgeben, der reumütige Theophilus widersagt seiner Geltungs- und Prunksucht, ein altes Marienloblied (gesungen von Monika Bauer und vom Tonträger her eingespielt) preist zum Schluss die Mutter Gottes als Zuflucht für die Sünder.
Nicht eingeplant, aber genau passend, bildete das normale Angelus-Läuten den passenden religösen Abschluss des spröden Stücks. - Spielleiter Gerhard Berger hat sich viel einfallen lassen, um Bewegung in die recht statischen und gedankengeladenen Texte zu bringen. Den Technikern Wolfgang Evers und Michael Zenz gelang es, in dem akustisch komplizierten Kirchenraum an allen Plätzen die Texte vernehmbar zu machen. Katja Bergner richtete den Santanas und seine beiden Helfer (Alisha und Hunter Hockhalter) fürchterlich schön teuflisch her und stellte zwei schlichte Geistliche und eine liebenswert zarte Maria daneben.
Trotz der komplizierten Texte brauchte Souffleuse Kathrin Kirmaier nur selten einzugreifen, und so gab es respektvollen Applaus für das Wagnis, ein derart ungewohntes Stück zu spielen. Eigentlich schade, dass nicht mehr Theaterfreunde die Auseinandersetzung mit dem ungewöhnlichen Schauspiel suchten, aber es gibt ja noch eine zweite Aufführung, und zwar am Samstag, 2. Juli, um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Orgelrenovierung sind erbeten.